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Einführung in Betriebssyteme
von Prof. Jürgen Plate |
5 Benutzerverwaltung
5.1 Benutzer-Zugang
In Mehrbenutzersystemen ist es üblich, jedem Einzelbenutzer eine fest eingegrenzte
Arbeitsumgebung zu bieten, die ihn von anderen Benutzern abschirmt:
- Prozesse eines Benutzers können gleichzeitig laufende Prozesse anderer
Benutzer nicht beeinflussen (Speicherschutz, etc.)
- Auf Dateien eines Benutzers können andere Benutzer nur mit dessen ausdrücklicher
Erlaubnis zugreifen
- Für gemeinsam genutzte Rsourcen und Dateien können definierte Zugriffsrechte
vergeben werden
- Die Nutzungsdauer (Rechenzeit), der Zeitraum der Nutzung (z. B. nur von 8 ... 17 Uhr)
oder die maximal zu beanspruchende Plattenkapazität können festgelegt werden
- Zu Beginn der Arbeit am Rechner (login) muß sich der Benutzer identifizieren
(Benutzerauthentität)
Bei besonders kritischer Rechnerumgebung kann es sogar wünschenswert erscheinen,
daß sich die Benutzer beim Aufruf bestimmter Programme nochmals identifizieren
müssen.
Die o. g. Schutzmaßnahmen sind ins BS integriert (z. B. Prozeß-Schutz
oder Dateischutz). Die Benutzeridentifikation wird durch ein eigenes Login-Programm
vollzogen.
Spezielle Geräte erfordern besondere Schutzmaßnahmen; so ist es inzwischen
üblich, bei Benutzern, die sich über einen Modem (also per Telefon) anmelden,
diesen nicht sofort Zugang zum Rechner zu gewähren, sondern den Anschluß
des Benutzers vom Rechner aus zurückzurufen. Zusätzliche Aufgaben der
Benutzerverwaltung betreffen Abrechnungsinformationen:
- die Zeit, die der Benutzer angemeldet ist
- die verbrauchte Rechenzeit
- die Verweilzeit von Prozessen im Rechner
- Zugriff und Nutzung der Resourcen (Platte, Drucker, etc.)
5.2 Datei-Zugriffsschutz
Der Dateieintrag im Verzeichnis wird um einen Schutzeintrag erweitert, das die
Zugriffsrechte festlegt. Diese Rechte können je nach System feiner oder gröber
gestaffelt sein. Am einfachsten ist die Vergabe von Lese- oder Schreibrecht für
alle Benutzer. Die Zugriffsrechte selbst lassen sich weiter unterteilen und auch
für verschiedene Benutzer unterschiedlich gestalten - bis hin zur Zuteilung
dedizierter Rechte an einen oder mehrere bestimmten Benutzer.
Einen Mittelweg beschreitet UNIX, das hier als einfaches Beispiel dienen soll.
Für eine Datei gibt es unter UNIX drei Zugriffsarten:
- R (read): Lesen aus der Datei
- W (write): Schreiben in die Datei (Ändern/Verkürzen/Erweitern)
- X (execute): Ausführen der Datei (bei Programmen)
Da es durchaus möglich sein sollte, anderen Benutzern das Lesen (nicht aber
das Schreiben) einer Datei zu gestatten; es u. U. auch Dateien mit wichtigen Informationen
gibt, die man vor eigenen Fehlern schützen will, gibt es drei Gruppen der
Zugriffsberechtigung:
- Zugriffsrechte für den Datei-Eigentümer
- Zugriffsrechte für die Arbeitsgruppe des Eigentümers
- Zugriffsrechte für alle anderen
Es ergeben sich also neun Zugriffsrechte:
Die im Bild links angegebenen weiteren drei Zugriffsrechte dienen besonderen Aufgaben.
Ein Benutzer kann durchaus mehreren Arbeitsgruppen angehören. Durch die Zuordnung
von Gerätedateien zu bestimmten Gruppen, kann man die Verwendung der Geräte
auf eine bestimmte Gruppe von Programmen beschränken. Beispiele:
Der Zugriff auf die Druckerschnittstellen wird nur einem User gewährt. In diesem
Fall stehen die Drucker nur den Druckerprozeß zur Verfügung und sind
für andere Prozesse gesperrt.
Die seriellen Schnittstellen, an denen Modems angeschlossen sind, werden der Gruppe "Modem"
zugeordnet. Um Benutzern den Zugriff auf die Modems zu gestatten, muß der
Systemverwalter nur diese Benutzer der Gruppe "Modem" zuordnen.
Bei einigen Betriebssystemen werden die Zugriffsrechte noch verfeinert, so läßt
sich beispielsweise die Schreiberlaubnis noch weiter unterteilen:
- beliebiges Schreiben auf die Datei
- Ändern von bestimmten Teilen der Datei
- Anhängen von Daten an die Datei
- Löschen der Datei
Copyright © FH München, FB 04, Prof. Jürgen Plate